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Ralf Meister: «Das Evangelium ist eine extrem starke Waffe»

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Gemeinsam mit dem Diakonie-Chef von Hessen-Nassau, Wolfgang Gern (59), kandidiert Meister für das Bischofsamt der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Ende November werden die 77 Kirchenparlamentarier entscheiden, wer von den beiden auf Käßmann folgt, die im Februar nach knapp elf Jahren zurückgetreten war.

An dem Tag, als Ralf Meister die hannoversche Landeskirche erkundet, zeigt sich Niedersachsen von seiner schlechtesten Seite. Es regnet in Strömen – in Gorleben, in Hermannsburg und in Hildesheim. Als gebürtiger Norddeutscher lässt sich der 48 Jahre alte Berliner Generalsuperintendent davon aber nicht beeindrucken, denn der mögliche Nachfolger von Margot Käßmann sucht und findet hier etwas ganz anderes.

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 Ralf Meisters erste Station an diesem Tag ist Gorleben. Der jahrzehntelange gewaltlose Widerstand der Kirchengemeinden gegen ein Atomendlager ist für ihn ein gelungenes Beispiel, wie eine Landeskirche deutlich politisch Position beziehen kann. Politische Stellungnahmen müssen für ihn theologisch klar begründbar sein.

 Das Evangelium mit seiner Botschaft von Nächstenliebe und Versöhnung sieht er als «eine extrem scharfe Waffe». Sie dürfe aber nicht dazu benutzt werden, permanent die Tagespolitik zu kommentieren. «Wenn wir uns mit dem Evangelium politisch äußern, muss sichtbar sein, dass es eine kirchliche Stellungnahme ist und nicht die politische Aussage einer einzelnen Person.»

 Deshalb ist er auch ein überzeugter Verfechter von Kirchenasyl für Flüchtlinge, die von Abschiebung bedroht sind: «Die Kirche hat einen Auftrag zum Wohl jedes Menschen und muss sich diesen Gnadenakt offenhalten.» Ohnehin sei es in der multireligiösen Gesellschaft die besondere Verantwortung der Kirchen, den Dialog mit anderen Religionen offensiv zu fördern, betont Meister, der neben Theologie auch Judaistik in Hamburg und Jerusalem studiert hat.

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 Auf der Weiterfahrt nach Hermannsburg streift der gebürtige Hamburger auch das «Abenteuerland» seiner Jugend. Er stammt aus Neugraben, dem südwestlichsten Zipfel der Hansestadt, der bis 1977 kirchlich zu Hannover gehörte. Ein Jahr davor wird der 14-Jährige mit nordfriesischen und pommerschen Wurzeln in der hannoverschen Landeskirche konfirmiert. Sein damaliger Pastor prägt ihn genauso wie die christlichen Pfadfinder, mit denen er jahrelang die Region zwischen Lüneburg und Stade durchstreift.

 Das Missionswerk in Hermannsburg, von dem aus viele Menschen mit dem Evangelium in die Welt gezogen sind, sieht Meister als unverzichtbar an: «Eine Landeskirche braucht einen Ort für missionarische Initiativen.» Für den dynamischen Theologen ist es eine Art Lebensaufgabe, die christliche Botschaft unter die Leute zu bringen.

 Nach seinem Studium war Meister unter anderem Rundfunkpastor in Kiel. Bundesweit ist er vor allem als Sprecher des «Wortes zum Sonntag» bekannt. Hier hat er gelernt, auch über komplizierte theologische Themen lebensnah und für jeden verständlich zu predigen.

 Als Regionalbischof in Berlin kämpft der verheiratete Vater von drei Kindern seit zwei Jahren gegen den «verbreiteten Gewohnheitsatheismus» in der Stadt. Jedes Wochenende steht er auf bis zu drei Kanzeln und strahlt beim Erzählen: «Es ist für mich das Schönste an meinem Beruf, an ganz fremden Orten miteinander Gottesdienst zu feiern.» Daneben widmet er der Seelsorge viel Zeit. Persönliche Sorgen der Menschen gehören genauso dazu wie Konfliktmoderationen bei beruflichen Problemen.

 In den sechs Jahren, die er zuvor als Propst in Lübeck war, machte sich Meister als engagierter Kirchenreformer einen Namen. Angesichts von Mitgliederschwund und zurückgehenden Kirchensteuermitteln wünscht er sich manchmal mehr Ehrlichkeit in der Diskussion: «Es bedeutet ja nicht, Kirchen abzureißen, sondern ehrlicher damit zu sein, was uns im Blick auf künftige Herausforderungen noch alles einfallen muss.»

 Doch jetzt steht er erst einmal staunend in der 1.000 Jahre alten Hildesheimer Michaeliskirche: «Wir brauchen eine stärkere öffentliche Präsenz mit allen kulturellen Schätzen unserer Religion, da ist Michaelis ein wunderbares Beispiel.»

 Und so bilanziert er am Ende seiner Tour: «Wenn wir wissen wollen, wo es mit unserer Kirche hingeht, müssen wir drei Punkte zusammenhalten: eine politische Profilierung, eine klare Formulierung unserer missionarischen Kraft und ein waches Bewusstsein für die Kulturzeugnisse in unserer Welt.» Nach Ostfriesland hat er es dieses Mal nicht mehr geschafft, aber: «Ein bisschen Plattdeutsch haben mir die Großeltern noch beigebracht.»

(Quelle: epd)

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