Verlag: Herder
Seitenzahl: 304
ISBN: 978-3-451-39446-1
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Marco Politi: Das Franziskus Komplott

Der Autor Marco Politi ist ein deutsch-italienischer Journalist und einer der besten Vatikankenner der Welt. Er hat sich dem Thema Franziskus und dessen Besonderheiten bereits in dem Buch  „Franziskus unter Wölfen“ gewidmet. Mit diesem Werk führt er fort, was er dort begonnen hat.

Der Titel dieses Buches hat mich neugierig gemacht. Ich lese gern von Menschen, die sich in den Strukturen des Vatikans so gut auskennen und einen wirklichen Einblick geben. Allerdings habe ich mit dem Inhalt dann doch ein paar Probleme. Im Vergleich zum Schreibstil eines Andreas Englisch ist das hier deutlich schwerer zu lesen. Viel Information über die Welt- und Vatikanpolitik und ihre Kollisionen und Verflechtungen, da bin ich nicht immer ganz durchgestiegen.

Das Buch ist in 14 Kapitel übersichtlich gegliedert. Die Überschriften sind klar und aussagefähig. Zu den  einzelnen Kapiteln gibt es  Anmerkungen, die im hinteren Teil des Buches zu den Quellen verweisen. Diese wird man wohl in einer italienischen Bibliothek auch finden, es sei denn, sie stammen aus der persönlichen Kommunikation zwischen dem Papst und dem Autor. Für das Verständnis des Textes sind diese Belege aber nicht notwendig.

Wohl kein Papst hatte im zurückliegenden Jahrhundert gegen so große Widerstände zu kämpfen, wie Franziskus. Zahlreiche seiner wichtigsten Kritiker stammen dabei aus den sogenannten eigenen  Reihen und sind Bischöfe und Kardinäle. Allerdings kommt der italienische Gegenpapst aus der weltlichen Politik in der Gestalt des italienischen Vizepremiers. Es weht ein rauer Wind über dem Heiligen Stuhl!

Ein Mann, der sich schon von seinem Namen her definiert – Franziskus, nach dem Heiligen Franz von Assisi – der allen Besitz aufgegeben hat, um Jesus und den  Menschen zu dienen. Zusätzlich noch erster aus einem südamerikanischen Land. Einer, der sich im Luxus des Vatikans nicht zu Hause fühlt und auf so viel Pomp wie nur möglich verzichtet.

Er hat ein anderes Verständnis von Kirche als viele seiner Vorgänger. Er sieht in Gott nicht zuerst den Richter, sondern den liebenden Vater aller Menschen, auch der Nichtchristen. Deshalb wohl auch seine energische Haltung in der Flüchtlingspolitik, die ihm viele Probleme einbringt und viele neue Feinde generiert. Nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch in der weltlichen Politik. Das ist revolutionär, aber es verstört auch Teile der Kirche.

Zitat: “Ich träume von einem jungen Europa, das dem Armen brüderlich beisteht und ebenso dem, der Aufnahmesuchend kommt, weil er nichts mehr hat und um Hilfe bittet!“

Eine weitere, nicht unwichtige Aussage dieses Papstes spiegelt sein persönliches Gottesbild:

„Niemand von uns kann von irgendeinem Menschen sagen, er wäre nicht in den Himmel gekommen. Ich sage dir etwas, das dich vielleicht wundert: Nicht einmal von Judas können wir das sagen.“

Franziskus ist gekommen, um seine Position zu nutzen für Reformen, die ihm vorrangig am Herzen liegen. Ein Vertreter Gottes auf Erden, der sich wie Jesus den Armen und unterdrückten näher fühlt als den Reichen und Starken. Einer, der keine Furcht hat, auch Unpopuläres anzusprechen. Vieles davon macht ihn zu einem sehr glaubwürdigen Vertreter der kath. Kirche.

Ich erkenne, wie schwer es ist, ein Oberhaupt dieser Kirche zu sein. Noch dazu sind Päpste in der Regel bereits weit über das Rentenalter hinaus. Respekt vor solcher Leistung!

Ich bin keine Katholikin, dennoch ist dieser Franziskus für mich ein Papst, der mich fasziniert, weil er mit Kraft und viel Mut dem verstaubten alten Regelwerk des Vatikans an die Wurzel geht und damit Grenzen überschreitet. Er tritt ein für Menschen, die sonst am Rande stehen. Das macht ihn glaubwürdig.

Von Cornelia Christophersen

Leseprobe (PDF)

ZUSAMMENFASSUNG

Ein interessantes Buch, aber wirklich keine leicht lesbare Lektüre. Geeignet für alle, die sich politisch interessieren und gern mit fundierten Einblicken hinter die Mauern des Vatikan schauen möchten.

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